Brandner Kasper wird in Tettau Aufgeführt

(Tettaunachrichten)

An der letzten Aufführung konnten über 500 Besucher in der Festhalle registriert werden, einige sogar auf „Stehplätzen“ weil die Bestuhlung nicht ausreichte. Ein herzlicher Dank geht vom Intendanten des Ensembles an alle Besucher und im besonderen an das BRK für die Absicherung und die Tettauer Blasmusik für die „Leihgabe“ der Tontechnik. Außerdem ein „Vergelts Gott“ an den Firseursalon Schirmer der an allen Aufführungen kostenlos die Maske übernommen hat und an alle Mitwirkenden von und hinter der Bühne. Weiterhin ein Dankeschön an Dr. Radomirovic für die Übernahme der Presse und Erinnerungsbilder.

Aus den Einnahmen überreichte die Neue Tettauer Theatergruppe e.V. dem BRK und der Tettauer Blasmusik jeweils eine Spende. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass wir alle offenbar nur Gast auf Erden sind und noch immer der göttliche Weltenplan bestimmt, wann wir abtreten müssen. Ein kleiner Trost möge uns Menschen sein, dass der fränkische Himmel bestimmt der schönste von allen ist! In der Tettauer Inszenierung vermittelte Baier den Zuschauern einen Blick in das Leben wie es nach dem Tod „sein könnte“. Für mich ist das Stück eine "Botschaft wie sie schöner nicht sein kann" – so Baier abschließend.

Das Leben ist kein Spaß. Aber ist denn der Tod zum Lachen? In der Tettauer Festhalle bestimmt, zumal wenn er leibhaftig auftritt. Dort präsentierte sich Benjamin Baier, Intendant, Vorsitzender, Regisseur der Neuen Tettauer Theatergruppe e.V. und Spieler einer der Hauptrollen, graugesichtig und bleich, um den schwarzen Gevatter recht ärmlich vorzuführen.

Dieser „arme Polandi“ ist nicht in der Seligkeit – im ewigen Licht daheim und auch nicht auf Erden, wo jeder ihn meidet, weil er jeden irgendwann einmal holen wird. Baier platziert fabelhaft die Gesten in Verbindung mit seinem Kostüm und der krächzend hohen Singsangstimme, feixt, staunt, und verstummt auf den Augenblick genau. Im Vorzimmer Gottes katzbuckelt er, aber auf Erden verbreitet er in dunkler Zungenfertigkeit die letzten Tröstungen einer endgültigen Philosophie: Der Tod ist eine gerechte Sache und der Himmel "grad gemütlich und in gleicher Weise erhaben". So einfach findet der Brandner Kaspar nicht zum ewigen Leben. Nicht in Franz von Kobells Dialekt-Erzählung aus 1871; nicht in Kurt Wilhelms Bühnenfassung und auch nicht auf der großen Bühne der Tettauer Festhalle, wo das "Kult"-Stück" jetzt Premiere hatte.


 

Ein Drehbuch von den Verantwortlichen der Tettauer Theatergruppe selbst geschrieben, bis hin zur Inszenierung mit Videosequenzen und einem Höchstmaß an technischen Raffinessen. Hier gilt es, die (Ober)fränkische Sturheit zu überwinden, um den Titelhelden selig zu machen. In Gestalt von Bernd Heinz wehrt sich da ein alter Tettauer „Windbeutel“, der es faustdick hinter den Ohren hat. Geselligkeit und Musik zu Brandners Leben, wie auch der Kummer, der den alten Brandner einsam macht. Keinen Respekt aber kennt der er vor dem Bürgermeister (Markus Eckardt – 2. Vorsitzender des Ensembles) und kein Grauen vor dem todbringenden "Abgesandten von der obersten Instanz": Den Boanlkramer trickst er mit Kirschgeist und "Beschiss" beim „Karten“ aus und schwatzt ihm noch achtzehn weitere Lebensjahre ab. Unverwundbar macht ihn das beileibe nicht. Bald wird ihm die Zeit lang, der Schmerz zu groß - vor allem der, um seine verunglückte von Isabella Schiller, herzlich und professionell dargestellte Enkelin Marie. So lässt er sich vom Boanlkramer vor das „fränkische“ Paradies führen - zur Ansicht vorerst. Dies geschah in einer recht heiteren Videosequenz welche das Publikum zu mehrminütigen Lachsalven animierte.

Mit einer prächtigen Baulichkeit und ebensolchen Personal staffierten Baier und sein Co-Regisseur Markus Eckardt, Bühnentechniker Wolfgang und Bernd Heinz sowie die weitere Technikcrew bestehend aus Stefan Ettlich und Jens Anders das Jenseits – oder zumindest den Raum davor. Im Himmel waren die Heilige Elisbabeth und ihre Schwester die „Kalte Sofie“ zugegen, um die „Neuzugänge“ zu „registrieren“. (Diese wurden dargestellt von Katrin und Nina Münchberg) Am lautesten lacht der heilige Petrus (Rainer Tröbs). Ein weit nachsichtigerer Bediensteter Gottes als der Erzengel Michael (Hans Müller). Seine klein karierten Anklagen überstimmt die fröhliche Mehrheit im Himmel: Freispruch für den Boanlkramer wie auch für den Kaspar! So hat der Brandner bei seinem Tod auch noch gut lachen. Den Rest vom Kirschgeist sicherte sich der „Tod“ unter seinem Gewand – quasi als Wegzehrung.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wer erbt das Himmelreich
Erbschaften sind nicht immer leicht, vor allem wenn das Antreten des Erbes an Bedingungen geknüpft ist. „Mali“ erbt die Hälfte des Hotels, das sie führt, wenn sie mit Martin zusammenarbeitet. Ist dieser nicht auffindbar, kann sie innerhalb eines Jahres durch die Heirat mit einem Hotelfachmann das Erbe retten.
Im Januar spielt die Neue Tettauer Theatergruppe erstmals ein Stück, welches in das Genre „Bauerntheater“ einzuordnen ist.
Die Gruppe hat die Philosophie im drei Jahresrhythmus sich mit traditionellen bekannten Stücken, modernen Komödien und Bauerntheater ab zu wechseln. Fast in die Richtung des bekannten „Brandner Kaspers“ geht die neue Tettauer Theatergruppe mit ihren Aufführungen 2012. Das vom Regisseur und Intendanten der Neuen Tettauer Theatergruppe e.V. Benjamin Baier umgeschriebene Stück „Wer Erbt das Himmelreich“ wurde dieser Tage erstmals geprobt.
Tante Rose hat wieder einmal Karten gelegt: Heute soll es demnach endlich klappen, dass ihrer Nichte Mali der Zukünftige über den Weg läuft. Doch alles kommt viel unromantischer als erhofft. Denn über dem Hotel, das Tante Rosa und Mali führen, entscheidet das Testament des verstorbenen Hupfauers. Und das besagt, dass Mali eine Hälfte des Hotels erbt, wenn sie mit dem Martin Wenninger zusammenarbeitet, der dann die andere Hälfte bekommt. Wenn Wenninger nicht mehr aufzufinden ist oder nicht mitmachen will, muss Mali innerhalb eines Jahres einen Hotelfachmann heiraten, sonst wird das Hotel für einen sozialen Zweck verkauft.

Zwangsheirat
Doch "zum Glück" meldet sich Martin Wenninger auf eine Anzeige hin: Er hat sich verkleidet als ungepflegter Junggeselle, damit sich Mali nicht in ihn verliebt. Er überbringt ihr die Hiobsbotschaft, dass er ihr seinen Erbanteil überschrieben hat. So steht Mali ab sofort unter "Heiratszwang", wenn sie das Hotel nicht verlieren möchte - aus schlechtem Gewissen bietet Martin ihr eine vorübergehende „Vernunftehe“ für ein Jahr an.

Plötzlich Liebe
Doch lange kann Martin der hübschen Mali nicht widerstehen und eine kleine Verwechslungskomödie bringt es ans Licht, dass die beiden Eheleute besser zusammenpassen, als sie jemals meinten. Tante Rose wird von unsere „Altmeisterin“ in Sachen Bauerntheater Monika Barnickel wunderbar verkörpert, den treuen Hausdiener spielt Andreas Müller. Die Rolle des alten Hupfauers hat Bernd Heinz inne welcher der Studienfreundin Helga (Dr. Ines Pechtold) sogar das Frühstück ans Bett liefert. Die beiden Hauptrollen teilen sich Nancy Gerisch als Mali und der Vorsitzende des Ensembles Benjamin Baier als Martin Wenninger in einer Doppelrolle – so Baier auf Nachfage bezüglich der Rollenbesetzung.

Die Aufführungen sind auf vielfachen Wunsch diesmal Ende Januar. Gespielt wird am Freitag 21. Januar sowie Freitag 27. und Samstag 28. Januar 2012 in der Festhalle Tettau. Die Ersten Karten gibt es wieder am Tettauer Weihnachtsmarkt – Restkarten dann im Tettauer Rathaus sowie bei Schuhhaus Kappelt Kleintettau ab 1. Dezember. bb
 
 
 
 
DER GEIST IM RATHAUS